Fragen kostet nichts - Einfache Fragen in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber



In ein paar Tagen beginnen die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber. Die Vorbereitungen im Betriebsrat laufen auf Hochtouren. Dein Koffer ist gepackt – mit klaren Zielen und mit der richtigen Strategie und Taktik.


Doch welche Fragen hast du für die Verhandlungen im Gepäck? Welche konkreten Fragen wirst du in welchen Verhandlungssituationen stellen? Wahrscheinlich hast du dir darüber keine Gedanken gemacht.


In Verhandlungen ein großer Fehler. Denn oft entscheidet eine einzige Frage über Erfolg oder Misserfolg von Verhandlungen. Nutze deshalb als kluger Betriebsrat und Verhandler die Macht der Fragen, um für deine Kollegen das Beste herauszuholen.


1. Woran arbeiten wir?


Am Anfang der Verhandlungen oder nach einer längeren Verhandlungspause lohnt sich diese Frage. So kann sich jede Verhandlungspartei einen Überblick über die zu verhandelnen Themen verschaffen und die Themen strategisch gewichten.


Mit dieser Frage verhinderst du auch, dass in Verhandlungen von einem Thema zu anderen gesprungen wird – ob nun bewusst oder unbewusst. Damit keiner die Themen aus dem Auge verliert, sollten sie für alle sichtbar aufgeschrieben werden.


2. Was genau meinen Sie?


Diese Frage bringt Licht ins Dunkle. Wenn du deinen Verhandlungspartner nicht richtig verstanden hast, brauchst du Klarheit. In Verhandlungen dürfen wichtige Botschaften nicht überhört oder falsch verstanden werden.


Du kannst diese Frage auch als Gegenfrage stellen, falls du vom Arbeitgeber angegriffen wirst. Sie verschafft dir kostbare Zeit, um nach der passenden Antwort zu suchen und um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.


3. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten?


In Verhandlungen zwischen Betriebrat und Arbeitgeber gibt es nicht nur unterschiedliche sondern auch gemeinsame Interessen. Wenn beide Parteien nur auf ihren unterschiedlichen Positionen rumreiten, drehen sich Verhandlungen im Kreis oder sind zum Scheitern verurteilt.


Diese Frage stellt bewusst die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund – ohne die Unterschiede vom Tisch zu kehren. Damit bewegst du dich einen Schritt auf den Verhandlungspartner zu und bringst Verhandlungen wieder zum Laufen.


4. Was sagen die anderen?


Ziel dieser Frage ist, auch die Meinungen der anderen Verhandlungsteilnehmer hören und nicht nur den Verhandlungsführern das Wort zu überlassen. Verschiedene Meinungen bereichern das Verhandlungsgeschehen und machen oft den Weg für neue Lösungen frei.


Gleichzeitig fühlen sich alle Teilnehmer als aktive Verhandler und nicht nur als stille Zuhörer. Diese Frage kannst du auch geschickt einsetzen, wenn dir spontan auf eine Frage keine Antwort einfällt und du Zeit zum Nachdenken brauchst.


5. Was würde der Vorstand sagen?


Diese Frage hat den Charme, auch nach den Meinungen von Menschen zu fragen, die nicht am Verhandlungstisch sitzen. Nicht immer schickt der Arbeitgeber Verhandler ins Rennen, die auch eine Verhandlungsvollmacht haben.


Die Frage: Was würde der Vorstand dazu sagen? löst meistens Schweigen oder Schulterzucken aus. Eine gute Gelegenheit, die wirklichen Entscheider an den Tisch zu holen.


6. Wie haben andere das Problem gelöst?


Wenn du keine Lösung für dein Problem hast, ist es Zeit für eine Frage, die den Blick über den Tellerrand wirft. Wie haben andere Betriebsräte das Problem gelöst?


Mach dir die Arbeit und nehme Kontakt zu anderen Betriebsräten und Gewerkschaften auf, um von ihren Erfahrungen zu profitieren. Sie können dir auch aus erster Hand berichten, ob Betriebsvereinbarungen sich auch wirklich in der Praxis bewährt haben.


7. Wie wirkt sich das aus?


Wie wirken sich Entscheidungen auf die Belegschaft, den Arbeitgeber und das Unternehmen aus? Entscheidungen haben nicht nur positive sondern auch negative Seiten.


Prüfe mit dieser Frage deine Ideen und Entscheidungen auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Denn du willst die Situation deiner Kollegen nicht verschlechtern sondern verbessern. Und der Arbeitgeber will auch, dass das Unternehmen nicht schlechter dasteht.


Trau dich in Verhandlungen zu fragen


Fagen kostest nichts – oder doch? Fragen stellen kostet Mut. Gerade in Verhandlungen kommt es darauf an, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen. Und bedenke, dass auch der Arbeitgeber dir Fragen stellen wird.


Mach aber nicht den Fehler, den Arbeitgeber wie bei einem Gehör auszufragen oder ihn mit Fragen zu manipulieren. Gehe mit Fragen genauso verantwortsvoll wie mit Menschen um.


Und denke daran: "Fragen sind keine Einbahnstraße." (Anke Schulz)


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